Wippenbach Geschichte

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    Geschichte Wippenbachs und Umgebung

    Als Zeugen aus vorgeschichtlicher Zeit liegen an der Strasse nach Bobenhausen zwei Hügelgräber, die in den Dreißiger Jahren von Prof. Richter angeschnitten wurden, wobei aber keine Funde bedeutender Art sichergestellt werden konnte. Es zeigt aber, dass die wippenbacher Gegend schon sehr lange menschlicher Siedlungsraum war. Man denke an die Kelten vom Glauberg. Die Funde der Sandsteinfiguren vom Glauberg am Rande der Wetterau haben seit ihrer Entdeckung Mitte der 90er Jahre weit über die Grenzen Hessens und Deutschlands hinaus Fachwelt und Öffentlichkeit fasziniert. Die Keltenfürstfigur und das erste der beiden Fürstengräber stammen aus der Zeit 2500 v. Chr. Man kann annehmen, dass das Gebiet um das spätere Wippenbach auch keltisches Siedlungsgebiet war.

    Und jetzt ein Zeitsprung in das Römische Reich von 754 v. Chr. bis 546 n. Chr.

    Die Grenze des römischen Reiches, der Limes, lag in der östlichen Wetterau bei Altenstadt. Hessen war damals von den germanischen Chatten besiedelt. Es kann durchaus angenommen werden, dass Siedler in der Zeit der fränkischen Landnahme um 500 – 800 n. Chr. auf dem Gebiet des heutigen Wippebach sesshaft wurden.

    In dieser Zeit liegt auch die Christianisierung dieser Gegend. Im Jahre 719 beauftrage Papst Gregor II Winfried Wessex mit der Germanenmission und gab ihm den Namen Bonifatius. 721 wandte sich Bonifatius Missionsaufgaben in Hessen und Thüringen zu. Bonifatius gründete einige Klöster, so z.B. in Amöneburg und Fritzlar. Er war Erzbischof mit Sitz in Mainz. Wegen Schwierigkeiten mit den fränkischen Herrschern zog er sich zurück und widmete sich der Pflege seines Lieblingsklosters in Fulda. Bei einer Missionstätigkeit in Friesland fand er 754 den Märtyrertod.

    Oberhalb von Wippenbach, auf dem rechten Höhenrücken führte die Handelsstrasse, die rechte Nidderstraße, nach Fulda. Auf diesem Weg ging der Leichenzug mit dem erschlagenen 80 jährigen Bonifatius von Mainz nach Fulda. Heute erinnert der beschilderte Bonifatius – Wanderweg zum 1250. Jubiläum an dieses Ereigniss. An den Raststätten des Leichenzuges wurden oft Holzkreuze und kleine Kapellen gebaut. So ist später an einem dieser Rastplätze das Kloster Konradsdorf erbaut worden. Gemarkung und Name gehen vermutlich auf eine Schenkung des Kaisers Konrad II. (1024-1039) zurück. Auf dem Herrnhof und dem Gut des früheren Heinrich von Konradsdorf haben Gerlach I. von Büdingen und sein Sohn Hartmann in der Zeit 1147-1166 das Kloster gegründet. Es war ursprünglich ein Doppelstift von Mönchen und Nonnen des Prämonstrantenserordens. (später nur noch Nonnenkloster) Die Gemarkung umfasste ca. 340 Morgen. Der Bau des Klosters war 1191 abgeschlossen.

    Wippenbach wurde 1313 ins Zinsregister von Kloster Konradsdorf eingetragen.

    Wippenbach ist urkundlich 1212 zum ersten Mal erwähnt worden. Der Geschichtsschreiber Heuson gab dem Namen des Dorfes folgende Bedeutung: zu dem wippenden, hüpfenden Bach.
    Wippenbach liegt ein Kilometer westlich von Ortenberg an einem Höhenzug rechts der Nidda. Der Gründer der Ortschaft hat dort eine Mulde gesucht und dahinein seinen Hof gebaut, sodass derselbe von drei Seiten gegen widrige Winde geschützt war („heimatkundliche Betrachtungen vom Lehrer Helmut Müller“).
    Dieser Hof stand an der Kurve zwischen Ober – und Unterdorf an der heutigen Straße „ Am alten Hof“. Von dort wuchs der Ort langsam in Richtung Oberdorf und Unterdorf.
    Das Dorf ist eines der wenigen völlig aufgelockerten Dörfer. Die einzelnen Hofreiten hängen nicht eng zusammen; allenthalben ist reichlich Platz um die einzelnen Hofreiten.

    Wippenbach gehörte zum Gericht Ortenberg. Zum Amt Ortenberg gehörten 6 Dörfer: Bleichenbach, Selters Bergheim, Gelnhaar, Wippenbach und Enzheim.

    Das Ortenberger Schloss, und somit auch Wippenbach, wurde im Laufe der Jahrhunderte von unterschiedlichen Grafschaften geführt. Zu nennen sind die Herren von Eppstein, Trimberg, Isenburg, Königstein, Hanau und Stolberg.
    1601 wurde das Landgericht Ortenberg und damit auch Wippenbach unter die Erben Stolberg, Hanau und Ysenburg zu gleichen Teilen aufgeteilt.

    Aus einer Aufzeichnung der Grafschaft Hanau des Jahres 1707 geht hervor, dass im Amtsbezirk Ortenberg 254 Familien, 9 Judenfamilien, 86 Pferde und 152 Ochsen lebten. Davon lebten in Wippenbach 9 Familien, 1 Judenfamilie und 14 Ochsen.

    Im Bleichenbacher Kirchenbuch gibt es die Eintragung von Pfarrer Blum aus dem Jahr 1694:
    „Anno 1694 lebten in Wippenbach an Mannschaften 9 Mann aber nur acht Hofreiten.“:

    ⦁ Nicolaus Müller, herrschaftlicher Förster
    ⦁ Henrich Böcher
    ⦁ Johannes Hensel
    ⦁ Conrad Reuning seines Handwerks ein Dreher
    ⦁ Walter Reuning seines Handwerks ein Zimmermann
    ⦁ Benjamin Haaß
    ⦁ Cloß Müller
    ⦁ Rudolph Müller
    ⦁ Johannes Klein seines Handwerk ein Zimmermann

    1754 ist die Bevölkerung von Wippenbach auf 18 Familien incl. Juden, 73 Einwohner, 14 Wohn – und Gemeindehäuser angewachsen. Es gab keine herrschaftlichen oder Adelshäuser, keine Mühle sowie keine Kirche. Unter frondbares Zugvieh werden 20 Ochsen aber keine Pferde genannt. Außerdem werden aufgeführt: 15 Weinberge (Gesamtmorgenzahl = 15), 24 Gärten, 46 Wiesen, 345 Äcker und 59 Triescher.

    Die Jahre von 1729 bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren für Wippenbach (aber auch für andere Gemeinden) eher von einem wirtschaftlichen Niedergang gekennzeichnet. Schuld daran waren zum Teil Naturereignisse, die Wippenbach heimsuchten. 1729 und 1730 sind gekennzeichnet als die sogenannten Raupenjahre; Hecken und Bäume hingen voller Raupennester, so dass diese Gewächse blätterlos wurden.
    Am 16. und 17. Mai 1730 wurden die Gemeinden Bleichenbach, Stockheim, Düdelsheim, Selters und weitere Orte des Niddertales, wahrscheinlich auch Wippenbach, von schwerem Hagelschlag heimgesucht. Die Hagelkörner hatten die Größe eines Hühnereis und zerschlugen Dächer und Fensterscheiben. Die Feldfrüchte lagen auf den Äckern und waren ganz zerschlagen, so dass im Jahr 1730 weder Korn noch Gerste geerntet werden konnte. Besonders in den Gemarkungen Bleichenbach und Selters war der Schaden ungemein groß. Infolge des Hagelschlages fehlte es im Frühling des Jahres 1731 an Brotfrucht. Da Lebensmittel weder im Isenburgischen noch im Stolbergischen zu bekommen waren, war eine Hungersnot unausbleiblich. Außerdem fiel 1731 die Ernte von Wintergetreide schlecht aus, da der Winter 1730/31 sehr lange gedauert hatte und viel Getreide im Jahr 1731ausgewintert wurde.

    Am 17. Mai 1730 verspürte man in Bleichenbach, Selters, Effolderbach, Butzbach, Gießen, Hanau, Offenbach, Frankfurt usw. ein starkes Erdbeben. Wippenbach war sicher auch betroffen. Die Häuser bewegten sich und die Glocken auf den Kirchtürmen schlugen an. Das Beben dauerte eine Minute lang. Ein weiteres starkes Erdbeben wurde 1756 in der Wetterau verzeichnet.

    Als Ursache für die wirtschaftliche Notzeit können sicher nicht nur Naturereignisse verantwortlich gemacht werden, sondern auch menschliches Handeln. So fand in der Zeit zwischen 1756 und 1763 der 7-jährige Krieg zwischen Preußen und Österreich unter Teilnahme vieler deutscher und europäischer Staaten statt. In der Notzeit nach dem 7jährigen Krieg gingen viele Hessen nach Russland.

    Damals lud die russische Kaiserin Katharina II., die Große, eine deutsche Prinzessin mit Namen Sophie Auguste von Anhalt-Zerbst, auch in Hessen die Menschen ein, nach Russland auszuwandern, um das Gebiet an der Wolga zu besiedeln. 10.000 Leute aus Worms, Frankfurt und auch aus der Umgebung von Büdingen, Nidda, Bleichenbach, Hirzenhain und Schotten entschlossen sich zur Auswanderung. Ob Wippenbacher bei den Auswanderern waren, ist nicht bekannt.

    Ein großes Unwetter mit Gewitter, Hagel und orkanartigem Sturm fegte am 16. Juli 1830 über Wippenbach hinweg und verursachte einen enormen Schaden. 1844 explodierte der Vulkan Krakatau auf Java/Sumatra und schleuderte riesige Staubmengen in die Atmosphäre, die zu einer Temperaturabsenkung von mehreren Graden auf der nördlichen Erdhalbkugel führten. Große Missernten waren die Folge, auch in Wippenbach.

    Wegen der schlechten Ernten und der darauf folgenden Hungersnöte wollten die Wippenbacher gemeinschaftlich in der Zeit um 1844 nach Amerika auswandern und ihr Dorf auflösen.

    Dazu schreibt Lehrer Helmut Müller in seiner heimatkundlichen Betrachtung: Auf jeden der 1844 hier ansässigen Bürger – 30 an der Zahl – kamen 1000 Gulden Privatschulden, die daraus entstanden sind, „dass der Bürger nicht bloß eine bedeutende Schuldenmasse ererbte, sondern dass er auch durch die letzten großen Missjahre absolut genötigt war neue Schulden zu contrahieren.“

    Angeblich aber hatte ein Wippenbacher Schullehrer, der die Schiffskarten in Bremerhaven kaufen sollte, das ihm dafür anvertraute Geld veruntreut. Die Wippenbacher mussten daher von Bremerhaven wieder nach Wippenbach zurückkehren.
    Das kleine Dorf (ca. 8 Häuser, 30 Bürger) wurde nicht aufgelassen und existiert daher bis heute weiter.
    Ein Teil der Wippenbacher Bürger konnte dann doch noch auswandern, weil ein Waldstück am Fuße der „Birke“ –
    „Läufersfeld“ genannt, damals gerodet und zu Ackerland gemacht wurde.
    Durch den Holzverkauf stand den Auswanderungswilligen Geld zur Verfügung. In der heimatkundlichen Betrachtung von Lehrer Müller wurde das Gebiet „Dreiers“ und heute von alten Wippenbachern „Treuers“ genannt.
    Die Zurückgebliebenen konnten nun ihren Feldbesitz vergrößern und damit ihre wirtschaftliche Situation verbessern. Größere Rodungen fanden immer mal wieder statt, letztmals in den Jahren 1923 – 25 (Inflationszeit) während einer Feldbereinigung.

    In der Auswanderungszeit entstanden am Ortsrande auch einige „Wüstungen“, indem die Häuser des wohl ältesten Teiles des Dorfes auf Abbruch verkauft wurden. Im August 1847 wurde der an den Bierbrauer Johann Kretschmer aus Nidda verkaufte „Alte Hof“ – wahrscheinlich das älteste Haus in Wippenbach – zur Baumaterialentnahme abgetragen.

    So ist vielleicht ein wichtiges Kulturgut von Wippenbach verloren gegangen. Dies ist mit dem alten Schul- und Bethaus glücklicherweise nicht passiert.

    Ich blende jetzt um 100 Jahre zurück und werde auf die Geschichte der Schule eingehen.

    Für Wippenbach findet man für die Zeit vor dem 30-jährigen Krieg (1618-1648) keinen Hinweis auf eine Schule oder einen Lehrer, obwohl die nahe gelegene Ortenberger Schule schon im Jahr 1422 einen Schulmeister besoldet hat.
    Es ist aber anzunehmen, dass der kleine Ort Wippenbach bei kirchlichen und schulischen Dingen schon vor dem 30-jährigen Krieg an Selters angegliedert war. Es war durchaus üblich, dass die Pfarrer den Schulunterricht hielten.

    Mit der Reformation fand je nach Glauben des Landesherrn ein Wechsel zwischen lutherischer und reformierter (calvinistischer) Glaubensrichtung statt.
    Hier einige Beispiele:
    Nach 1552 wurde evangelischer Gottesdienst in Selters und Effolderbach durch den lutherischen Pfarrer Johannes Betz von Düdelsheim abgehalten.
    1594 notiert Pfarrer Blum, dass die reformierte Religion im Hanauischen eingeführt wurde, wodurch die Lutheraner ihre Kirchen verloren und die lutherischen Pfarrer und Schuldiener an einem Tag aus dem ganzen Lande vertrieben wurden.

    Bereits 1597 war von Hanau und dem ebenfalls zum Calvinismus übergetretenen Grafen Wolf Ernst zu Ysenburg und Büdingen ein reformierter Schulmeister und Glöckner namens Georg Rupp von Düdelsheim nach Selters ins Schulhaus gesetzt worden.
    Vier Jahre später, 1601, wurde der lutherische Pfarrer Fuchs von seinem Pfarrdienst in Konradsdorf und Selters „beurlaubt“

    1657 erlaubte der lutherische Graf Friedrich Casimir von Hanau den beiden Gemeinden Selters und Wippenbach einen gemeinsamen lutherischen Schulmeister anzunehmen. Der neue Lehrer wurde bei der Ausübung seines Amtes gehindert, weil der eifrige reformierte Pfarrer Hildebrandus zu Bleichenbach ein Schloss an das Selterser Schulhaus hängen und es schließen ließ.
    Das hanausche Amt Ortenberg richtete sofort eine Beschwerde nach Hanau. Ob diese zum Erfolg führte, darüber berichten die Akten nichts.
    Bis Ende 1720 gingen die wippenbacher Kinder den langen Schulweg nach Selters.

    Am 9. Januar 1721 erhielten die Wippenbacher vom Konsistorium in Hanau die Erlaubnis, eine eigene Schule zu errichten.
    Die Schule wurde im Hause des Waigand Velten, dem Schul – und Bethaus schräg gegenüber – heute Nachfolgehaus Nr.8 – gehalten.
    Es waren 13 Kinder zu unterrichten.

    Nachdem 1734 sich die Bevölkerung in Wippenbach von 9 (1707) auf 18 Familien verdoppelt hatte, musste ein neues Schulhaus gebaut werden.
    Dies geschah von 1735 – 1740.

    Der Schulbau kostete 385 Gulden. 100 G gab das Luth. Konsistorium Hanau. Den Rest finanzierten die Wippenbacher durch Holzverkauf (110 G) und andere Verkäufe und Kollekten.

    Die Schule war zweigeschossig, am Hang gelegen.

    Im Untergeschoss war die Lehrerwohnung bestehend aus Schlafkammer, Schulraum und Küche mit nach außen angebautem Backhaus
    Im ersten Stock war der Betraum, der später einen separaten Zugang von der Straße bekam
    Der Rest des Hauses war Speicher und Löscheimerlager.

    1745 wurde die Turmuhr eingebaut,
    1761 der Glockenstuhl mit Glocke.

    1765, zwei Jahre nach dem siebenjährigen Krieg, wurde die Schulscheune, die der landwirtschaftlich tätige Lehrer benötigte, erbaut.
    Um 1880 wurde der heutige Hauseingang angebaut und der Schulraume vom Untergeschoss in den heutigen Bereich Küche und Esszimmer verlegt.

    1740 begann nach Pfarrer Blum der Schulunterricht im neuen Schul- und Bethaus.

    Aus den Wippenbacher Schulrechnungen und dem Inventarium aus der Zeit von 1793 bis 1830 ist der Besitzstand der Schule mit
    3 Morgen Kirchhof, 13 Morgen Ackerland, Grasgarten, Wiese und Kräutergarten zu ersehen.
    Die Aufzeichnungen zeigen, dass die Schule nicht nur den Friedhof verwaltete, die Räume und Bücher für den Gottesdienst zur Verfügung stellte sondern auch mittels der Schulgüter und auch der Arbeitskraft der Schüler den Unterhalt des Lehrers sicherte.

    Die Schule hatte ebenfalls die Funktion einer Bank und verlieh gegen Zinsen Geld an Bewohner.

    SCHULLEHRER IN WIPPENBACH
    1721 kam Johannes Bernges als erster Lehrer nach Wippenbach.
    Er war aus Frischborn bei Lauterbach. Von Beruf war er Schneider und betrieb dieses Handwerk auch noch neben seinem Lehrerberuf in Wippenbach. Gute Beschäftigung fand er auf dem benachbarten Hofgut Konradsdorf, wo er vor der Frucht- und Kartoffelernte die Säcke in Ordnung brachte.
    Im Jahr bekam er als Gehalt: aus der Gemeindekasse 3 Gulden,
    vom Vater jedes schulpflichtigen Kindes 1/8 Korn = 6 Simmer (ca. 172 l) und 13 Albus (24 Albus =1 Gulden).
    Jeder Nachbar des jungen Lehrers (8), hatte im Jahr einen Laib Brot zu geben.
    Das Mittagessen erhielt Lehrer Johannes Bernges durch den „Wandeltisch“. Tags zuvor wurde der „Schulmeisterlöffel“ in das Haus getragen, das an der Reihe war.
    Da Bernges sehr schön singen konnte, verdiente er sich bei Beerdigungen in Bleichenbach, wo er den Grabgesang der Schüler leitete, Naturalien, bestehend aus Kuchen, Brot und Käse.

    Es ist anzunehmen, dass Johannes Bernges mit Johann Konrad Bernges ebenfalls aus Frischborn im Vogelsberg verwandt war. Dieser kam schon 1713 nach Bleichenbach an die dortige evangelische Schule.
    Auch Schullehrer Wilhelm Diehl, der Anfang ca. 1880 für 38 Jahre Lehrer in Wippenbach war, war mit der Lehrerfamilie Bernges verwandt.
    In der Familienchronik Bernges – Diehl ist zu lesen: Die Lehrer aus der Familie Bernges – Diehl lehrten seit 1713 in Bleichenbach und oder Wippenbach, d. h. über 200 Jahre. Die Söhne folgten oft dem Vater in die Lehrerstelle, wobei durchaus der Wechsel vom ärmeren Wippenbach in das reichere Bleichenbach attraktiv war. Der Name Bernges existiert noch heute in Selters und Bleichenbach.

    Außerdem sind folgende Lehrernamen überliefert:

    Johannes Beringer 1807
    Schullehrer Hildebrand 1828
    Als Besoldung hatten sie 12 Gulden für Unterricht und jeweils 2 Gulden für das Glockenläuten 4 Uhr morgens und 8 Uhr abends.

    Conrad Bernges, 1844 – 1859
    Christian Maurer nach 1859 mehrere Jahre
    Otto Damm
    Ab 1903 existieren Klassenfotos mit den jeweiligen Lehrern.

    Wilhelm Diehl
    Schullehrer Frankenberger 1927 und 1929
    1927

    1929
    Schullehrer Göttmann 1932
    wenige Jahre in Wippenbach

    Schullehrer Helmut Müller 1936

    Schullehrer Karl 1946

    Der Lehrer Karl war der erste Lehrer nach dem zweiten Weltkrieg in Wippenbach. Auf dem Schulbild ist die für Wippenbach ungewöhnlich große Schülerzahl zu erkennen. Die Schülerzahl ist auf die damals große Flüchtlingszahl aus den deutschen Ostgebieten, die in Wippenbach gewohnt haben, zurück zu führen.

    Schullehrer Helmut Müller 1952

    Lehrer Helmut Müller, der schon vor dem zweiten Weltkrieg in Wippenbach lehrte, kam Anfang 1950 wieder nach Wippenbach zurück. Er war bis zu seiner Pensionierung Lehrer in Wippenbach und lehrte ab dem 28.07.1956 im damals neu erbauten Schulhaus im Unterdorf.

    Das Bild von 1956 zeigt Helmut Müller mit der letzten Klasse, die das Schul – und Bethaus besucht hat.
    Lehrer Müller hat mit seinen Schülern heimatkundliche Arbeiten über Wippenbach angefertigt und so Wissenswertes über die Geschichte des Dorfes festgehalten.

    Dort steht geschrieben:

    Die Schule des Dorfes kann auch auf eine reiche Tradition zurückblicken. Schon im 18. Jahrhundert diente das alte, heute noch vorhandene Schulhaus als „ Kirchen – und Schulhaus“.
    Es wurde dort umschichtig durch Pfarrer und Lehrer sonntäglich Gottesdienst gehalten.
    Mit der Zeit wurde der zum Gottesdienst zur Verfügung stehende Raum (26 m²) zu klein und man beschloss eine Kirche zu bauen.
    Von der nicht mehr benötigten Kirche zu Bleichenbach ( 1838 abgerissen) kaufte man einstweilen die alte Orgel, die Gerichtsbühne, die Weiberstühle, den Altar und die Kanzel mit dem Pfarrerstuhl. Von diesen Gegenständen ist heute nichts mehr vorhanden.
    Wegen der großen Not in der Gemeinde und der darauf folgenden Auswanderung (ca. 1844) kam jedoch nicht zu dem geplanten Kirchenbau (Kosten 6500 Gulden).
    Das alte Schulhaus diente danach nur noch unterrichtlichen Zwecken. Die Schulscheuer, die der landwirtschaftlich tätige Lehrer benötigte, wurde 1954 abgerissen, um einem Neubau Platz zu schaffen. (Aus der heimatkundlichen Betrachtung von Lehrer Müller
    1957)

    Der Schulbetrieb im „Alten Schul – und Bethaus fand von 1740 bis Juni 1956, also 216 Jahre statt.

    1956 wurde im Unterdorf ein neues Schulhaus gebaut.
    Dieses Schulhaus wurde nur 10 Jahre als Schule und danach bis heute als Dorfgemeinschaftshaus mit einer vermieteten Wohnung genutzt.

    Die letzte Glocke wurde in das 1956 neu erbaute Schulhaus mitgenommen und wird noch jeden Tag um 10, 12 und 17 Uhr geläutet. Auch das Läuten bei Bestattungen auf dem Friedhof wird bis heute durchgeführt.

    Der Schulbetrieb in Wippenbach wurde nach 235 Jahren eingestellt. Die wippenbacher Grundschüler werden bis heute in der Grundschule Ortenberg unterrichtet. Die weiterführende Schule ist die Gesamtschule Konradsdorf.

    Das alte Schulhaus blieb zunächst im Besitz der Stadt Ortenberg und wurde als Wohnhaus genutzt.
    Am 18.05.1976 teilt das Landesamt für Denkmalschutz Herrn Bürgermeister Hebbel mit, dass das „Alte Schul – und Bethaus“ in Wippenbach unter Denkmalschutz gestellt wurde. Von nun an dürfen keine Veränderungen vorgenommen werden, die nicht vom Denkmalamt genehmigt werden.

    Im September 1977 erwarben Wulfhild und Bernd Schwietzer das „Alte Schul – und Bethaus“. Unter Federführung des Vaters bzw. Schwiegervater, Architekt Gerhard Jacobi wurde das Haus von 1978 bis 1980 restauriert und bewohnbar gemacht.

    1980 wurde die Hausfassade von der Stadt Ortenberg mit dem 1. Preis ausgezeichnet.
    15.12.1983 wurde dem Architekten Gerhardt Jacobi, für die Restaurierung des Alten Schul – und Bethauses, posthum die Denkmalplakette des Wetteraukreises verliehen.

    Nicht nur das alte Schul- und Bethaus sind denkmalgeschützt.
    In dem 1982 vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen herausgegebenen Buch „Baudenkmale in Hessen“ wird der Denkmalschutz außerdem für die Gebäude Im Oberdorf 19 (Anwesen Familie Winter), Im Unterdorf 5 (Anwesen Frau Bornkönig) und Im Unterdorf 14 – ehemaliges Backhaus mit Ziehbrunnen begründet:
    „Die herausragende Lage der Schule im Zusammenhang mit einigen gut erhaltenen Fachwerkhofreiten des 18. und 19. Jahrhunderts, das Gefälle zwischen Oberdorf und Unterdorf, das unbebaute Gartengelände und die malerische Baugruppe von Backhaus und Brunnen bilden im Zusammenwirken eine topographisch – historische Struktur von hohem Reiz“

    Ein weiteres wichtiges Thema neben der Schulbildung war für Wippenbach die Wasserfrage.

    Sie muss überhaupt in den früheren Jahrhunderten die Kardinalfrage des Dorfes gewesen sein.
    Es gibt zwar in der Nähe des Dorfes eine Quelle, die aber im Sommer eintrocknet. Wahrscheinlich lief diese Quelle früher, als der Waldbestand noch größer war, ganzjährig.
    In ihrer Nähe hatte man die „Wet“ errichtet. Alte Leute wissen noch, dass man dort das Wasser holte, zum Tränken des Viehs und für den menschlichen Bedarf.
    Es musste also ein Dorfbrunnen her.
    Wie Lehrer Helmut Müller schrieb, wurde der gleich neben dem Backhaus liegende Dorfbrunnen im Jahr 1834 gegraben. Er hat eine Tiefe von 41 m und einen Wasserstand von 4 m. Sein natürlicher Abfluss ist unterhalb der Strasse Ortenberg – Wippenbach.

    Ausgangs des 19. Jahrhunderts wurde dann auf Betreiben von Förster Weber, nach dem auch die Weberlinde oberhalb von Wippenbach benannt ist, eine gemeindeeigene Wasserleitung gebaut. Erst im Jahr 1902 wurde die Wassernot durch den Anschluss an die Niddertal – Wasserleitung behoben.

    Wippenbach hat aber auch noch eine Mineralquelle.
    Schon 1825 gab es offenbar erste zaghafte Versuche zwischen Selters und Wippenbach, den Ausbau und die Nutzung der Salzquelle auf der Salzweide, zwar nicht nach dem Muster von Bad Salzhausen, sondern bescheidener, voranzutreiben. (Robert Müller)
    1826 vereinigte ein Brunnenfest die Selterser und Wippenbacher Einwohner in froher Laune an dem behelfsmäßig ausgebauten Brunnen. Warum das so euphorisch begonnene Werk nicht weiter gedieh, darüber sind weder Aufzeichnungen noch mündliche Überlieferungen vorhanden.

    Erst mit dem neuen Jahrhundert kamen neue Bestrebungen in Gang. Lehrer Wilhelm Diehl gab im Jahr 1900 im Büdinger Anzeiger ein Inserat auf, in welchem er Interessenten für das Bohren eines Brunnens im Gebiet der Salzquelle auf der Wippenbacher Gemarkung suchte.
    Schließlich 1903 wurde der mit nur geringem Druck versehene „Klosterbrunnen“ mittels Bohrturm und Dampfmaschinenantrieb auf Wippenbacher Gebiet gebohrt.
    Da der Erfolg bescheiden war, suchte der Interessent Wildenhayn im Bereich der heutigen Kuranlage in Selters weiter. Am 31. März 1903 bohrte er im Handbetrieb auf 53 m Tiefe eine kräftige Quelle, die 4m über dem Boden hochschoss, den Benediktussprudel. Es wurden zwar Klosterbrunnen und Benediktusbrunnen 1907 in Beton gefasst, doch der bessere Brunnen in Selters hatte den Vorzug bekommen.
    Aus dieser Zeit stammt das Bild mit dem Gemeindevorstand von Wippenbach.

    obere Reihe: Winter, Knab, Emrich
    untere Reihe:Bürgermeister Kraft, Pfarrer Büchner, Lehrer Diehl
    je v. links n. rechts

    1910 hatte Wippenbach 104 evangelische Einwohner, die Schülerzahl betrug 24 Schüler und Schülerinnen. (Auszug aus der Hessische Schulstatistik – Großherzogtum Hessen – von H. Krapp)

    1952 wurde die Freiwillige Feuerwehr Wippenbach gegründet. Heute feiert sie ihr 60jähriges Jubiläum. Viele wippenbacher Jugendliche hatten und haben durch die Jugendfeuerwehr einen Ort, an dem sie sich regelmäßig nicht nur zu Feuerwehrübungen treffen. Sie haben eine Gruppe, zu der sie sich zugehörig, in der sie sich ernst genommen fühlen. Sie finden dort Menschen, die Vorbildfunktion haben. Das ist ein wertvolles Gut, über das nicht jede Gemeinde verfügt.
    Viele Aktivitäten des Ortes werden von der Feuerwehr unterstützt oder ausgerichtet. Man erinnere sich nur an die Restaurierung des Backhauses und der Borntreppe, an die Backhausfeste, die Maifeiern und vieles mehr. Seit ca. 3 Jahren ist die Wippenbacher Feuerwehr in ein neues zentrales Feuerwehrhaus der Ortenberger Feuerwehren an der Bundesstraße nahe Selters gezogen. Heute feiern wir hier das Jubiläum.

    1971 erfolgte der Zusammenschluss bzw. Eingemeindung der Orte Bergheim (594 E.), Bleichenbach (1229 E.), Eckartsborn (455 E.), Effolderbach (483 E.), Gelnhaar (979 E.), Lißberg (835 E.), Selters (571 E.), Usenborn (587 E.), Wippenbach (178 E.) und Ortenberg (1833 E.) zur Großgemeinde Ortenberg mit insgesamt 7744 Einwohnern.

    Im gleichen Jahr (1971) beginnt die Bebauung des Neubaugebiets „Sonnenhang“ (Nordrichtung nach Bobenhausen). Das erste Haus, das bezogen wurde, war das Haus der Familie Berninger.

    Am 6.3.1980 ist die Zahl der Wippenbacher Einwohner auf 247 gestiegen.
    Aktuell beträgt sie 314 Einwohner.
    Der Anstieg der Einwohnerzahlen ist sicher im Zusammenhang mit der Ausweisung der Neubaugebiete „Sonnenhang“ (1980) und „Froschäcker/Fuchsfeld“ 2004 zu sehen.
    Dennoch bleibt Wippenbach der kleinste Ortsteil von Ortenberg, das insgesamt ca. 9000 Einwohnern hat.

    Vieles ist gewachsen, vieles hat sich verändert in Wippenbach.
    Die 1871 aus Anlass des Zusammenschlusses der Süddeutschen und Norddeutschen Staaten zum Deutschen Reich gepflanzte „Friedenslinde“ zwischen Backhaus und Unterdorf musste 2000 gefällt werden. Eine neue wurde gepflanzt.

    Den landwirtschaftlichen Charakter des Ortes, den ich damals kennengelernt habe, gibt es nicht mehr. Der letzte bewirtschaftete Bauerhof ist der von Burkhard Winter.
    Die alten Fachwerkhäuser sind fast alle restauriert und präsentieren sich wieder im gepflegten Zustand, ebenso die öffentlichen Plätze wie z.B. Friedhof, Borntreppe mit Backhaus, neue Schule.
    Teilweise fanden durch Sterbefälle Eigentümerwechsel statt.

    Oberhalb von Wippenbach ist 2004 der 180 km lange Bonifatius – Wanderweg von Mainz nach Fulda eingeweiht worden. Die Bonifatius-Scheune im Oberdorf lädt nicht nur müde Pilger zu hausgemachten Spezialitäten und spritzigem Apfelwein ein.
    Auch im Haus „Zur schönen Aussicht“ kann man bei irisch-keltischer Musik ein Guinness trinken.
    Erhalten haben sich die Wippenbacher den freundlichen und zugewandten Umgang miteinander, den Nachbarschaftsgedanken, das Interesse aneinander, den Gemeinsinn gepaart mit Hilfsbereitschaft.
    Sicherlich haben die Ortsvorsteher, ich kenne Herrn Goldstein und Herrn Horst Schmidt auch dazu beigetragen.

    Es hat immer wieder Fremde nach Wippenbach gezogen. Jedenfalls existieren verschiedene Ansichtskarten von Wippenbach. Vielleicht haben die Kurgäste aus Selters ihre Grüße damit verschickt.

    Auch mancher Künstler hat sich an dem Idyllischen Dorf erfreut.

    Als ich hierher zog hatte ich mit vielen alten Wippenbachern Kontakt. Sie haben mir viel über ihr Leben und den Ort erzählt. Sie haben diesen Ort mitgeprägt. Wir danken und erinnern uns an sie.

    Vortrag von Frau Wulfhild Schwietzer anlässlich des Jubiläums der Stadt Selters. Herr Bernd Schwietzer hat zeitlebens an der Geschichte von Wippenbach und Umgebung gearbeitet und viele Details zusammen getragen, die Grundlage für diesen Vortrag sind.
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